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HOAI Leistungsphasen verständlich erklärt: Was Architekten wirklich leisten

Dagmar Chrobok-Dohmann zu Gast
Dagmar Chrobok-Dohmann

Wer zum ersten Mal baut, stößt früher oder später auf drei Buchstaben: HOAI.


Spätestens wenn ein Architekt ins Spiel kommt, taucht die Abkürzung in Angeboten, Gesprächen oder Verträgen auf. Viele Bauherren verbinden damit vor allem Honorare

und Kosten. Tatsächlich steckt dahinter aber deutlich mehr.


Die HOAI beschreibt die Leistungen, die Ar

chitekten und Ingenieure während eines Bauprojekts übernehmen können. Sie zeigt den Weg von der ersten Idee bis lange nach dem Einzug. Wer die einzelnen Leistungsphasen kennt, versteht besser, welche Aufgaben ein Architekt übernimmt, wie Planungen entstehen und warum viele Entscheidungen bereits getroffen werden, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgt.


Gemeinsam mit Architektin Dagmar haben wir in unserem Podcast die neun Leistungsphasen der HOAI ausführlich besprochen. In diesem Artikel fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.


Was ist die HOAI überhaupt?


Die HOAI steht für die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure.

Lange Zeit regelte sie nicht nur die Leistungen, sondern auch verbindliche Mindest- und Höchstsätze für Honorare. Durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2019 verloren diese Preisvorgaben ihre Verbindlichkeit.


Seitdem wird die HOAI häufig anders genutzt. Sie dient heute vielen Bauherren und Planern vor allem als Qualitäts- und Leistungsbeschreibung. Die neun Leistungsphasen schaffen Transparenz darüber, welche Aufgaben ein Architekt übernimmt und welche Leistungen beauftragt werden.


Das macht die HOAI auch heute noch zu einem wichtigen Orientierungssystem für Bauherren.


Warum die HOAI Leistungsphasen für Bauherren wichtig sind


Viele Menschen stellen sich unter einem Architekten jemanden vor, der Grundrisse zeichnet und einen Bauantrag einreicht.

Die Realität sieht deutlich umfangreicher aus.

Ein Architekt kann ein Bauprojekt von der ersten Idee bis zur Fertigstellung und darüber hinaus begleiten. Die HOAI unterteilt diese Leistungen in neun Phasen.


Dadurch wird nachvollziehbar:

  • Welche Aufgaben wann anfallen

  • Wer für welche Leistungen verantwortlich ist

  • Welche Planungsleistungen bereits erbracht wurden

  • Welche Leistungen noch folgen

  • Wie sich Honorare zusammensetzen


Gerade für Bauherren entsteht dadurch ein deutlich besseres Verständnis für den gesamten Bauprozess.


Die Leistungsphasen 1 bis 4: Aus Ideen werden konkrete Pläne


Leistungsphase 1: Grundlagenermittlung


Jedes Bauprojekt beginnt mit Fragen.

Was soll gebaut werden?

Wie groß soll das Haus werden?

Welche Wünsche hat die Familie?

Welche Vorgaben bringt das Grundstück mit?

In dieser Phase sammelt der Architekt alle wichtigen Informationen und definiert gemeinsam mit den Bauherren die Ziele des Projekts.

Die Grundlagenermittlung bildet das Fundament für alles, was später folgt.


Leistungsphase 2: Vorplanung


Nun werden erste Lösungsansätze entwickelt.

Der Architekt prüft verschiedene Möglichkeiten, erstellt erste Skizzen und untersucht die Rahmenbedingungen.


Bereits jetzt spielen Themen wie:

  • Bebauungsplan

  • Grundstücksausrichtung

  • Wohnflächenbedarf

  • Budget

  • Energieeffizienz

eine wichtige Rolle.


Viele spätere Probleme lassen sich vermeiden, wenn hier sauber gearbeitet wird.


Leistungsphase 3: Entwurfsplanung


Jetzt wird das Projekt konkreter.


Grundrisse werden ausgearbeitet, Räume dimensioniert und erste technische Anforderungen berücksichtigt.


In dieser Phase entsteht häufig erstmals das Haus, das sich Bauherren bereits bildlich vorstellen können.


Viele wichtige Entscheidungen fallen genau hier:

  • Raumaufteilung

  • Gebäudegröße

  • Dachform

  • Fensterflächen

  • Nutzungskonzepte


Änderungen sind später oft deutlich aufwendiger und teurer.


Leistungsphase 4: Genehmigungsplanung


Aus den bisherigen Planungen entstehen nun die Unterlagen für den Bauantrag.

Der Architekt bereitet alle notwendigen Dokumente vor und stimmt die Planung mit den Behörden ab.


Erst nach erfolgreicher Genehmigung kann das Projekt in die nächste Phase übergehen.


Viele Bauherren erleben hier zum ersten Mal, wie komplex baurechtliche Anforderungen tatsächlich sein können.


Die Leistungsphasen 5 bis 9: Aus Plänen wird ein Haus


Leistungsphase 5: Ausführungsplanung


Der Bauantrag ist genehmigt.


Jetzt müssen die Planungen so detailliert ausgearbeitet werden, dass Handwerker daraus tatsächlich bauen können.


Dazu gehören:

  • Detailzeichnungen

  • Konstruktionslösungen

  • Materialfestlegungen

  • technische Ausführungen


Diese Phase entscheidet häufig darüber, wie reibungslos die spätere Bauausführung funktioniert.


Leistungsphase 6: Vorbereitung der Vergabe


Nun werden die benötigten Leistungen beschrieben und zusammengestellt.

Der Architekt erstellt Leistungsverzeichnisse und definiert, welche Arbeiten ausgeschrieben werden sollen.


Dadurch können Angebote verschiedener Unternehmen vergleichbar gemacht werden.


Leistungsphase 7: Mitwirkung bei der Vergabe


Angebote werden ausgewertet und verglichen.

Der Architekt unterstützt Bauherren dabei, die Unterschiede zwischen den Anbietern zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.


Gerade hier zeigt sich oft, dass der günstigste Preis nicht automatisch das wirtschaftlichste Angebot ist.


Leistungsphase 8: Objektüberwachung


Viele Architekten betrachten diese Phase als eine der wichtigsten überhaupt.

Die Planung ist abgeschlossen. Nun muss sichergestellt werden, dass auf der Baustelle tatsächlich so gebaut wird, wie es geplant wurde.


Zu den Aufgaben gehören unter anderem:

  • Baustellenkontrollen

  • Qualitätsüberwachung

  • Koordination der Gewerke

  • Prüfung von Rechnungen

  • Dokumentation von Mängeln


Hier trennt sich häufig gute von schlechter Bauqualität.


Leistungsphase 9: Objektbetreuung


Auch nach der Fertigstellung kann die Arbeit noch nicht vollständig beendet sein.

In dieser Phase werden mögliche Mängel begleitet, Dokumentationen vervollständigt und Gewährleistungsfristen im Blick behalten.


Viele Bauherren wissen gar nicht, dass die HOAI auch diesen Zeitraum berücksichtigt.


Architekt oder Bauunternehmen: Wo liegen die Unterschiede?


Eine der häufigsten Fragen von Bauherren lautet:

Brauche ich überhaupt einen Architekten?

Die Antwort hängt stark vom jeweiligen Bauvorhaben ab.

Ein Architekt plant individuell und arbeitet in erster Linie im Interesse des Bauherrn.

Ein Bauunternehmen bietet häufig standardisierte Prozesse, bewährte Hauskonzepte und feste Abläufe.


Beide Wege können erfolgreich sein.


Die Unterschiede liegen vor allem bei:

  • Individualität der Planung

  • Umfang der Betreuung

  • Ausschreibungs- und Vergabeverfahren

  • Einflussmöglichkeiten des Bauherrn

  • Verantwortung während der Bauausführung


Wer ein stark individualisiertes Projekt umsetzen möchte, profitiert häufig von einer intensiven Architektenbegleitung.


Wer dagegen ein bewährtes Hauskonzept mit klar definierten Leistungen sucht, findet oft auch bei Bauunternehmen passende Lösungen.


Was kostet ein Architekt?


Eine pauschale Antwort gibt es nicht.


Die Kosten hängen unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Größe des Bauvorhabens

  • Komplexität der Planung

  • Umfang der beauftragten Leistungsphasen

  • Vereinbarungen zwischen Bauherr und Architekt


Wichtig ist dabei ein Perspektivwechsel.


Ein Architektenhonorar bezahlt nicht nur Zeichnungen. Es finanziert Planung, Koordination, Qualitätssicherung, Ausschreibungen, Bauüberwachung und zahlreiche weitere Leistungen, die häufig im Hintergrund stattfinden.


Fünf wichtige Erkenntnisse für Bauherren


1. Die wichtigsten Entscheidungen fallen vor dem Baustart

Viele Kosten, Qualitäten und spätere Nutzungsmöglichkeiten werden bereits in den ersten Leistungsphasen festgelegt.


2. Die HOAI schafft Transparenz

Die Leistungsphasen machen nachvollziehbar, welche Aufgaben Architekten tatsächlich übernehmen.


3. Gute Planung spart oft Geld

Planungsfehler werden auf der Baustelle schnell teuer. Eine saubere Vorbereitung reduziert Risiken erheblich.


4. Bauüberwachung ist mehr als ein Kontrollbesuch

Die Koordination und Qualitätskontrolle während der Bauphase gehört zu den zentralen Aufgaben eines Architekten.


5. Es gibt nicht den einen richtigen Weg

Sowohl Architekten als auch Bauunternehmen können gute Lösungen bieten. Entscheidend sind die Ziele, Wünsche und Anforderungen des jeweiligen Bauherrn.



Fazit

Die HOAI ist heute weit mehr als eine Honorarordnung.

Sie beschreibt den kompletten Weg eines Bauprojekts – von der ersten Idee über die Planung und Genehmigung bis hin zur Bauüberwachung und Objektbetreuung.

Wer die neun Leistungsphasen versteht, erkennt schnell, dass hinter einem erfolgreichen Bauprojekt deutlich mehr steckt als Grundrisse und Bauanträge.

Für Bauherren bietet die HOAI vor allem eines: Transparenz. Sie macht sichtbar, welche Leistungen notwendig sind, wer welche Verantwortung trägt und wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein fertiges Zuhause entsteht.


Podcast-Tipp: In unseren beiden Podcastfolgen mit Architektin Dagmar gehen wir alle neun HOAI-Leistungsphasen praxisnah durch und zeigen anhand konkreter Beispiele, welche Aufgaben Architekten während eines Bauprojekts tatsächlich übernehmen. Damit erhältst du einen umfassenden Einblick in den gesamten Ablauf eines Bauvorhabens – von der ersten Idee bis zur fertigen Immobilie.

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